Berichte  Pferd International 2004

   

Wenn ein Reiter durch die Lüfte fliegt...

Mehr Zeit in der Luft als im Sattel – das war Pferd International 2004 für den bayerischen Springreiter Thomas Mühlbauer. Der 33-jährige weißblaue Star im Sattel jettete allein an den ersten drei Turniertagen immerhin sechsmal zwischen München und Hamburg hin und her, um zusätzlich zu seinen Starts bei Bayern Pferd auch beim Hamburger Derby teilnehmen zu können.

Und das hat sich gelohnt. In Hamburg holte er sich zwei Platzierungen in schweren Springen. In München gewann der Kötztinger ein S-Springen. Den großen Preis von Bayern gewann am Sonntag Markus Beerbaum, der die gleiche Tour wie Mühlbauer hinter sich gebracht hat. Auch er startete in Hamburg und München und war zwangsläufig wie Mühlbauer mehr in der Luft als im Sattel. Wenn aber im Sattel, dann da wie dort mit Erfolg.

Thomas Mühlbauer ist mit Pferden aufgewachsen. Ganz in der Nähe des elterlichen Betriebes, dem Bayerwaldhof in Kötzting im Bayerischen Wald, gab es immer einen Reitstall und auch heute noch stehen dort die zehn Pferde der Mühlbauers in einem kleinen separaten Stall. Schon mit sechs Jahren setzte sich Thomas das erste Mal in den Sattel eines Ponys, der Umstieg auf Großpferde folgte schnell und auch die ersten Erfolge stellten sich bald ein. Mit elf Jahren absolvierte das Ausnahmetalent schon den ersten S-Parcours und ab da ging es nur noch bergauf. Als Trainer fungierten neben seinem Vater Josef Mühlbauer auch Fritz Ligges und Lars Nieberg.

Heute stehen die Pferde immer noch im Mittelpunkt des Lebens der Familie Mühlbauer. Thomas hat mit seiner Frau Monique die Führung des Bayerwaldhofs übernommen, in seiner Freizeit widmet er sich hauptsächlich seinem einjährigen Söhnchen Max.

Internationale Premiere für jungen Dänen

Grund zur Freude hatte Dressurreiter Per Sandgaard bei Pferd International in München-Riem. Der 37-jährige Däne holte sich mit Zancor seinen ersten internationalen Grand Prix-Sieg.

Erst seit zweieinhalb Jahren sitzt Sandgaard im Sattel des 13-jährigen Wallachs, den er damals im Auftrag verkaufen sollte. Die Chemie zwischen den beiden stimmte aber sofort so gut, dass Sandgaard den schicken Fuchs selbst behielt und das hat sich gelohnt, wie die Erfolgsrate der beiden beweist. Im letzten Jahr gewannen sie die Silbermedaille bei den dänischen Meisterschaften und holten zudem einige internationale Platzierungen.

Per Sandgaard ist studierter Betriebswirt, stellte aber nach seinem Studium schnell fest, dass die Arbeit mit Pferden ihm sehr viel mehr liegt als die trockene Wirtschaftslehre. Heute führt er einen Ausbildungsstall in der Nähe des schwedischen Stockholm und trainiert unter anderem bei Peter Markne und Rudolf Zeilinger.

Rasante Ritte im Parcours: Heinrich-Herrmann Engemann siegt in München

Goldene Schleifen in schweren Springprüfungen sammelt er wie andere Briefmarken: Heinrich-Herrmann Engemann ließ mit seinem Pferd Candela auch bei Pferd International in München-Riem die Konkurrenz im S-Springen hinter sich und konnte allein mit diesem Pferd den 103. Sieg in einem Springen der schweren Klasse für sich verbuchen.
„Bei uns dreht sich eigentlich immer alles um die Pferde“, lacht der gebürtige Hessener, der heute in Bissendorf bei Osnabrück einen Ausbildungsstall betreibt, und mit „uns“ meint er sich und seine Ehefrau Kerstin Ernsting-Engemann, die wie er Pferdewirtschaftsmeister ist und seine Kinder, die fast alle dem Pferdevirus verfallen sind.

Heinrich-Hermanns Onkel war es, der ihn seinerzeit aufs Pferd brachte. Im Alter von fünf Jahren setzte sich der 1959 geborene Erfolgsreiter zum ersten Mal aufs Pferd – übrigens gleich aufs Großpferd, Ponys waren für ihn uninteressant – und von da an ließen ihn die Vierbeiner nicht mehr los. Mit 14 Jahren kam er in den Stall von Sönke Sönksen, erhielt eine excellente Ausbildung in Sachen Springsport, was ihn allerdings nicht daran hinderte, nebenbei auch noch eine Fleischerlehre abzuschließen. Schließlich folgte eine Bereiterlehre und im vergangenen Jahr ließ es sich Heinrich-Herrmann Engemann dann nicht nehmen, auch noch die Prüfung zum Pferdewirtschaftsmeister erfolgreich abzulegen.

Nicht nur der Reitsport gehört zu seinen Leidenschaften, auch viele andere Sportarten sind es, die er in seiner Freizeit betreibt und wenn einmal wirklich noch Zeit für andere Dinge ist, steht er gerne am Kochherd oder hört auch einfach nur mal Musik. Diese Momente allerdings sind doch relativ selten.
 

Grand-Prix-Sieg für Tausendsassa Susanne Lebek

Die Siegerin in der schwersten Dressurprüfung des Auftakttages bei Pferd International in München-Riem heißt Susanne Lebek und ist ein richtiges Multitalent. Mit 35 Jahren hat sie bereits mehrere Berufausbildungen absolviert, nicht nur die zur Pferdewirtschaftsmeisterin, und alles „nebenher“, wie die quirlige Amazone aus Braubach bei Koblenz erzählt.

So hat sie eine Schneiderlehre beendet, um später einmal in das familieneigene Textilunternehmen einzusteigen. Heute kümmert sie sich nicht nur um ihre Hausverwaltung, sondern betreibt auch noch einen Pensionsstall mit insgesamt 60 Boxen, der vom Reitverein Hofgut Bissingen geführt wird. Ein kleiner Dressurstall beherbergt dabei Susannes acht eigene Pferde, von denen fünf im Sport gehen und drei Stuten für die Zucht da sind, denn Pferde züchten möchte der 35-jährige Tausendsassa schließlich auch noch.

Die Leidenschaft zu Pferden hat Susanne Lebek früh gepackt, bereits mit fünf Jahren begann sie, Ponys zu reiten, der Umstieg auf Großpferde erfolgte schließlich mit 12. Schnell stellten sich die großen Erfolge ein und schon 1986 stand die junge Amazone auf dem Siegerpodest bei den Europameisterschaften der Junioren.

Stolz ist Susanne Lebek vor allem auf die Tatsache, dass sie alle Pferde selbst ausbildet. „Jung kaufen und ihnen dann etwas beibringen“, so die Unternehmerin, das mache ihr am meisten Spaß. Und Spaß müsse immer im Vordergrund stehen, „ich bin nicht die, die nur die Erfolge zählt“, betont sie.

Damit ihr der Spaß am Leben nicht ausgeht, hat die junge Dame auch noch ein rasantes Hobby vorzuweisen. Mit ihrem Lebensgefährten nimmt sie erfolgreich an Oldtimer-Rallyes teil, so gewann sie letztes Wochenende in Monaco beim historischen Formel 1-Rennen und nächste Woche geht es bereits weiter zum nächsten Start.
 

„Dressur als Beruf, Springen als Hobby“ - Goldenes Reiterabzeichen für Uwe Schwanz

Auszeichnung für Uwe Schwanz: Der Berufsreiter von der Reitvereinigung Oberland Thann in der Nähe des oberbayerischen Holzkirchen erhält heute in München-Riem bei Pferd International eine der höchsten Auszeichnungen, die es im Reitsport gibt. Das Goldene Reiterabzeichen – für zehn Siege in schweren Prüfungen – dürfen sich nur die Besten im Sattel anstecken. Und Uwe Schwanz hat auch noch das doppelte Kunststück vollbracht: Im Jahr 1991 erhielt er das Goldene Reiterabzeichen in der Disziplin Dressur, heute nimmt er die Auszeichnung für seine Erfolge im Springsattel entgegen.

Uwe Schwanz gehört zu den ganz wenigen deutschen Berufsreitern, die in beiden Disziplinen derart erfolgreich sind. Das bewies er schon in den Jahren 2001 und 2002, als er jeweils Deutscher Meister der vielseitigen Reiter bei den Berufsreitern wurde. „Dressur ist mein Beruf und Springen ist mein Hobby“, sagt der mittlerweile 41-jährige gebürtige Bremer, den es allerdings schon 1981 zur Lehre bei Ulli Salig in Thann nach Bayern verschlug, die er prompt mit Auszeichnung beendete. Auch seine Meisterprüfung nach weiteren zwei Jahren bei Alan Gaihede in Königsbrunn legte Uwe Schwanz mit Auszeichnung ab. Die Erfolge ließen dann nicht lange auf sich warten.

Auf insgesamt 100 Siege allein in der Dressur kann Schwanz zurückblicken und auch beim Bundeschampionat der jungen Pferde in Warendorf war er mehrfach Finalist. „Spitzenpferde muss man sich machen, die kriegt man nicht einfach so“, sagt Schwanz, dessen große Hoffnungen für die Zukunft auf seinem neunjährigen Holländer Pijon liegen. Mit dem imposanten Wallach gewann er letztes Jahr bereits Intermediaire I. Auch sonst hat Uwe Schwanz unter seinen zahlreichen Pferden in Thann einige Nachwuchshoffnungen stehen.

Beinahe jedes Wochenende ist Uwe Schwanz auf Turnieren zu finden, der sein Leben quasi den Pferden verschrieben hat. Im Alter von 12 Jahren hatte er mit dem Reiten begonnen, seine ältere Schwester diente ihm dabei als Vorbild und bis heute hat ihn die Leidenschaft nicht mehr losgelassen.
 

Goldene Schleife für den Stilisten Hubertus Schmidt

Seine Ritte sind stets ein Genuss für die Zuschauer – Hubertus Schmidt gilt als der absolute Stilist unter den deutschen und auch internationalen Dressurgrößen. Auch bei Pferd International in München-Riem glänzte der 45-jährige Pferdewirtschaftsmeister wieder. Mit seinem Top-Pferd Wansuela Suerte gewann er mit deutlichem Abstand den Grand Prix, der als Qualifikation für den Grand Prix Special ausgeschrieben war.

Damit setzt der Berufsreiter vom Reitverein Fleyenhof auch heuer wieder seine Erfolgsserie aus den Vorjahren fort. Seit mittlerweile 17 Jahren sammelt er Grand Prix-Platzierungen, unter anderem mit den Pferden Playboy, Roncalli, Forzando und Tiamo Trocadero. Seit mittlerweile drei Jahren setzt der stets freundliche und immer gut aufgelegte Hubertus Schmidt auf Wansuela Suerte, die zuverlässige und präzise gehende Fuchsstute, auf die er sich fast immer verlassen kann. Dutzende von Grand Prix-Erfolgen sind der Lohn für ein ausdauerndes und intensives Training, unter anderem bei Siegfried Peilicke, Jean Bemelmans, Dr. Reiner Klimke und Rudolf Zeilinger. Auch unter die Fittiche von Klaus Balkenhol hat sich Hubertus Schmidt bereits mehrfach begeben.

Erster und prägender Trainer allerdings war sein Vater Hubert Schmidt, bei dem er im Alter von neun Jahren in der Reitschule Schloss Hamborn die erste Reitstunde erhielt. Zudem trainierte er auf der Wiese am elterlichen Haus in Etteln mit den Zuchtstuten Winni und Rubia. 1973 wurde dann mit dem Bau der eigenen Reitanlage das Training intensiviert, ein Jahr später folgte das bronzene Reiterabzeichen und schon stellten sich erste Turniererfolge ein. A-Dressur und A-Springen brachten Hubertus Schmidt die ersten Meriten, und schließlich machte er das Hobby zum Beruf und absolvierte zuerst eine Bereiter-Lehre auf dem Fleyenhof und in Bielefeld und legte dann 1983 die Meisterprüfung mit Stensbeck-Plakette ab.


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